Retreatorte

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Man sieht das alte, restaurierte Steinhaus auf  dem Anwesen von Tenuta die Fassi, das Casa Sangam, nicht gleich. Es liegt malerisch in Hügel eingebettet zwischen Zypressen, Akazien , Feigen- und Walnussbäumen. Von Ancona fährt man per Zug eine gute Stunde bis hierher, von Rom sind es 3,5.  Gubbio – die alte Etruskerstadt mit ihrem historischen  Gemäuern –  ist die nächstgelegene Stadt. Vom  Casa Sangam aus hat man einen wunderbaren Blick auf den gegenüberliegenden Berghang, auf dem Gubbio liegt.  Früher als eines der Farmgebäude auf dem Landbesitz der Familie Mussini genutzt, dient es seit dem Umbau vor ca. 20 Jahren vielen Menschen, die Einkehr und Erholung suchen, als idealen Rückzugsort.
Pierro Mussini  ist dabei, hier ein neues Konzept von Agritourismus der spirituellen Art zu entwickeln.  Hierher kommen Menschen, die nicht nur Erholung in der herrlichen abgeschiedenen Ruhe der umbrischen Landschaft suchen, sondern die auch an spiritueller Erfrischung interessiert sind.
Angeboten werden Kurse rund um Meditation und Bewusstseinsentwicklung. Dauerhaft lebt hier eine yogische Gemeinschaft von Bewohnern, die sich dem Leben und Wirken von Dada Lekhraj, ( gest. 1969) – dem Begründer des Raja Yoga  verbunden fühlen. – Beim gemütlichen Zusammensitzen unter den schattigen Feigenbäumen im Garten des Hauses erzählt uns Pierro wie er auf die Idee kam. Es war ein Vortrag von Dadi Janki, der Leiterin der BKWSU, der ihn so nachhaltig beeindruckte, dass er selbst begann, Raja Yoga zu praktizieren und sich daraufhin inspiriert fühlte, seinen Teil des Landes in ein spirituelles Retreatcenter zu verwandeln. Heute trägt sich das Haus selbst durch die Seminare, die das Jahr  über hier stattfinden und die freiwilligen Beiträge der Raja Yoga Studenten, die hier ihre Stille-Retreats abhalten.
Die Umstellung auf biologische Landwirtschaft mit alten und samenfesten Saaten erfolgte nach und nach. Hier wachsen jetzt Dinkel, Amaranth, Hirse  und verschiedene andere alte Getreidesorten. Pierro brachte dafür noch etwas anderes aus Indien mit:  Die yogische Art  des Ackerbaus in Einklang mit der Natur. Die  Bewohner und Gäste vom Casa Sangam kommen regelmäßig auf die Felder und meditieren hier mit dem Gedanken, den Pflanzen positive Wachstumsenergien zu geben. Auch während der Ansaat wird meditiert. Shashwat, Yogische Landwirtschaft, stammt aus  Indien, das einst Ki chirya war, das goldene Land, in dem die Menschen wussten, wie man mit und für die Natur lebt. Heute müssen wir erst wieder lernen, die Natur zu respektieren und in Harmonie mit ihr zu  leben. Die Landwirtschaft heute ist durchwegs mechanisiert, von Technik bestimmt und wird an Rekorden und Erntezielen gemessen. Aber der gesteigerte Ertrag wird teuer bezahlt: durch schädliche Chemikalien und Pestizide ist unser Essen immer mehr vergiftet. Wir leiden unter den gesundheitlichen Folgen davon. Die Raja Yoga Forschungs-Stiftung setzt sich zusammen mit der BKWSU für eine spirituelle Herangehensweise an die Landwirtschaft ein, die sich positiv auf die Produkte und das Wohlergehen der Menschen auswirkt. Die Times of India berichtete kürzlich über einen Kongress in New Delhi zu diesem Thema. Dabei geht es auch um die Erkenntnis, dass die sogenannte grüne Revolution wohl den Düngemittelkonzernen mehr gebracht hat als den Bauern.  Wenn die Bauern lernen, wieder  ursprüngliche, einfache Methoden anzuwenden, wandelt sich ihr eigenes Leben zum Positiven und sie kommen wieder in einen Einklang mit der Natur. Auch die Universitäten in Indien haben das Thema aufgegriffen und bieten Tagestrainings für die Bauern an. Wissenschaftler suchen nach alternativen Methoden, um die Landwirtschaft ohne künstlichen Dünger zu verbessern. Die Anwendung von Yogakraft ähnelt dem Konzept von Rudolf Steiners biodynamischen Anbau. Auch dort wird mentale Kraft und das Wissen über die natürlichen Zusammenhänge für das Wachstum der Pflanzen genutzt. Es geht darum, wieder eine Beziehung zum Land und zu den Pflanzen entwickeln, die von Liebe getragen ist.

Sakaash
Auch bei der Zubereitung der rein vegetarischen Nahrung und beim Essen spielt diese meditative Herangehensweise eine Rolle. Gezielt auf etwas gerichtet, ist  Meditation in Form von  Sakaash eine  Kraft, die tief in die Struktur der Materie eingreift und auf der molekularen Ebene ordnend und strukturierend wirkt – so die Theorie. Die Praxis scheint dies zu bestätigen. Raja Yogis haben die Erfahrung gemacht, dass sich diese Art der Zubereitung von Nahrung  positiv auf das seelische Gleichgewicht und die körperliche Gesundheit auswirkt. Nicht umsonst lautet das alte Sprichwort: Liebe geht durch den Magen. Die Menschen, welche die so zubereitete Nahrung zu sich nehmen, fühlen sich nach dem Essen wach, klar und leicht – nicht müde und schwer, wie das so oft normalerweise nach einer Mahlzeit der Fall ist.  Für die eigene kontemplative Praxis wirkt sich dies auf die Dauer ebenfalls positiv aus und hilft, die Gedanken leichter zu sammeln und zu lenken.
Wir erkennen mehr und mehr, dass Gefühle nicht isoliert sind, sondern sich als Energie überall hin ausbreiten. Sie sind Elemente der Kommunikation. Mansa Seva ( Anwendung von Sakaash)  funktioniert ohne jegliche Hilfsmittel nur durch bloße Aufmerksamkeit in reinem Nichtstun,  in völligem Gewahrsein des gegenwärtigen Augenblicks. Eigentlich ist es mehr eine Kunst als eine Technik, denn sie verbindet uns mit der Essenz allen Heilens und Heilwerdens. Über einen meditativen Prozess gelangt man in einen Bewusstseinszustand, der nicht mehr egozentriert ist, sondern jenseits von Zeit und Raum. Er birgt unendliches Potential, wenn es gelingt, sich in diesem neutralen  inneren Zustand zu stabilisieren, zudem  ist er jedem Menschen zugänglich und an keine Religion oder Philosophie gebunden. Auf das tägliche Leben wirkt sich dies als ein Zuwachs von Lebensfreude, die Erfahrung von Gelassenheit und Nichtidentifikation aus. Es ebnet den Weg zu einem natürlich intuitiven Leben.
Das Haus  Casa Sangam selbst nutzt Erdwärme und  Solarenergie. Küchenabfälle werden in Garten  recycelt, sie düngen u.a. das Gemüse und das Obst, das hier für den Eigenbedarf geerntet wird. Die Menschen, die hierherkommen sind begeistert und dankbar für dies Möglichkeit, hier ihre Meditation zu vertiefen und an inneren Themen zu arbeiten. Es gibt viel weniger Ablenkung und Reize als dies im städtischen Leben  der Fall ist. Die persönlichen Prozesse, die dieser Ort anregt, finden Unterstützung in der täglich angebotenen Yogapraxis. Eine Meditation am frühen Morgen in der Dämmerung unter freiem Himmel ist ein unvergleichliches Erlebnis. Die Berge rundum haben schon viele solcher Meditationen gesehen. Überhaupt rücken hier die Elemente von Feuer, Wasser, Luft, Erde und Äther ganz nahe. Zwei Teiche auf dem Anwesen laden ein zum Verweilen. Die Energie der Sonne wird zum Erwärmen des Wassers, für Strom und für  einen Solarkocher zum Brotbacken genutzt. Das Wetter kann stellenweise mit starken Winden heftig ausfallen – doch es wechselt genauso schnell auch wieder. Yogis, die ihr Handwerk gelernt haben, haben die Atmosphäre von Casa Sangam meditativ aufgeladen. Der Geist wird klarer, sobald man einen Augenblick innehält.  Das umliegende Gelände lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Man findet dort immer einen Platz, an dem man ganz für sich ist, da das Gelände weitläufig und sehr naturbelassen ist, mit  vielen Bäumen , blumenumsäumten Feldern und Anhöhen. Entspannung für Körper. Geist und Seele ist garantiert.

Für weitere Informationen: www.casasangam.org

*Mansa Seva mit Sakaash
Dienst durch den Geist. Im Raja Yoga lernen wir, die schlafende innere Energie zu wecken um ein erfülltes  intuitives Leben in einer gewöhnlichen Lebenssituation als Teil dieser Welt zu führen. Es ist eine meditative Technik, die weltweit unterrichtet wird. Durch das Bewusstsein der eigenen Verbundenheit mit  den Elementen der Natur und allen Mit-Lebewesen um uns herum, ist es möglich, diese Energie für positive und heilsame Veränderungen zu nutzen.