Wie außerordentlich beschäftigte Menschen Meditation erlernen

by BK Sister Jayanti

Immer mehr Menschen leben ein Leben auf der Überholspur, doch die wenigsten treffen diese Wahl bewusst. Das Bedürfnis nach Ausgleich, innerem Frieden und der Regeneration spiritueller Kraft kann jedoch in Form einer täglichen Meditation befriedigt werden. Schwester Jayanti, selbst eine sehr beschäftigte Person, präsentiert nachfolgend eine Anleitung zur Meditation sowie verschiedene Wege, mit Hilfe der Meditation das Geschäftsleben zu entstressen.

Ich frage mich, wie gut ich mich selbst eigentlich kenne. Manchmal frage ich mich dies wirklich, denn ich bin erstaunt über meine eigenen Reaktionen und Antworten in bestimmten Situationen. Ich wünsche mir dann, dass ich mich etwas anders hätte verhalten können. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass ich mich selbst ein bisschen besser kennen sollte. In einer materialistischen wird alles nach materiellen Werten bemessen. Wie oft war also auch der Wert, den ich mir selbst zugeschrieben habe, an äußeren Faktoren orientiert: meinen Besitztümern, meinem Eigentum, meiner Position und meinem Aufgabengebiet oder dem Stellenwert, den andere mir geben. Sehr oft stecke ich mich selbst in Schubladen, d.h. ich sehe mich so, wie andere mich sehen. Was genau sehen Sie, wenn Sie mich anschauen? Sofort beginnt der innere Computer mit seinen Berechnungen und wir treten miteinander in Beziehung aufgrund des Gesichts, unserer Hautfarbe, unserer Hautbeschaffenheit, unserer Gesichtszüge, unserem Alter oder dem Beruf. Und dennoch – wenn ich beginne darüber nachzudenken, muss ich dies hinterfragen und ich überlege, ob äußerliche Faktoren mir irgendetwas über mich oder über Sie mitteilen. Und plötzlich werde ich mir jener Dinge bewusst, die eigentlich überhaupt nicht materiell sind, die nichts mit meiner äußeren Form oder mit äußeren Situationen zu tun haben und es sind diese Dinge, die ich wahrhaftig an mir wertschätze und würdige.

Ich wende mich nach innen und werde mir meiner Gefühle, meiner Emotionen und meiner Gedanken bewusst und frage mich, welcher Teil von mir ich denn nun wirklich bin. Es ist wichtig, dass ich lerne, meine zwei Identitäten zu trennen: die materielle Identität, d.h. die körperliche Form und die innere Realität meiner Gedanken und Gefühle. Es ist wichtig, über die äußeren Dinge Bescheid zu wissen, doch wesentlich wichtiger ist es, das zu kennen, was unter der Oberfläche liegt, unter der Haut. Sobald ich meine Aufmerksamkeit nach innen richte, auf mein inneres Wesen, erst dann beginnt die eigene Reise.

In diesem inneren Raum einzutreffen und herauszufinden, was in meiner eigenen inneren Welt geschieht, ist wirklich genau so ein erstaunliches Abenteuer wie jene Abenteuer im Weltraum. Woher entstammen meine Gedanken und Gefühle? Während ich meinem Geist erlaube sich zu beruhigen, entdecke ich, dass die Quelle des Lebens, die Quelle der Energie, welche ich bin, tatsächlich nur ein Funke ist, ein Wesen, ein Punkt. Meine Größe ist nicht 1,70 m sondern ich bin einfach nur ein Punkt aus Licht. In unserer Sprache verwenden wir manchmal diesen Ausdruck  „meine Seele“ oder „Ich habe eine Seele“ und dennoch ist dies überhaupt nicht wahr. In Wirklichkeit bin ich nämlich eine Seele, ich bin dieser Punkt aus Licht. Und von diesem Bewusstsein aus zu agieren, bewirkt eine völlige Verwandlung meiner Wahrnehmung. Mit dieser Wahrnehmung wer ich wirklich bin, kann ich jenseits aller Begrenzungen gehen, die mir der Körper auferlegt hat. Wie oft habe ich gesagt „Ich kann dies oder jenes nicht tun“ und dennoch ist dies nicht die Realität. Ich bin dieses ewige Wesen aus Licht. Ich bin aus Licht gemacht, ich bin wirklich ein Wesen der Liebe; dies sind meine natürlichen Eigenschaften und zu dieser Wahrnehmung zurückzukehren bedeutet, dass ich in der Lage bin, jegliche Grenzen und Begrenzungen zu überschreiten. Ich bin in der Lage, jene innere Freiheit des Selbst zu erlangen. In dem Gewahr sein darum, wer ich wahrhaftig bin, bin ich fähig mich selbst zu führen und zu lenken.

Manchmal fragen wir uns, ob der ursprüngliche Zustand des Selbst tatsächlich tugendhaft  ist. Doch Frieden ist etwas vollkommen Natürliches für mich; daher weiß ich, dass es ein Zustand ist, der zu mir gehört. Ich muss nicht versuchen, ihn zu erlangen. Er befindet sich bereits in mir. Wenn ich innerhalb meines geschäftigen Lebens weiß, wie ich meine Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment diesem Punkt aus Licht, der ich bin, zuwenden kann, ist dieser Frieden sofort zugänglich. Diesen inneren Frieden zu erfahren, ist wie das Aufladen einer Batterie und dann kann ich alles, was erledigt werden muss, auch auf der äußeren Ebene bewerkstelligen. Sollte ich es sogar schaffen, dies jeweils eine Minute lang einmal pro Stunde zu praktizieren, würde ich feststellen, dass die restlichen 59 Minuten extrem reibungslos verlaufen.

Die Tatsache, dass ich innerlich ein friedvolles Wesen bin, bedeutet ebenfalls, dass ich kraftvoll bin. Ich bin nun in der Lage, Zugang zu meiner eigenen inneren Stärke zu finden. Wir benutzen das Wort „Ermächtigung“ sehr häufig und doch kann diese Ermächtigung nicht von irgendjemandem im Außen kommen. Ermächtigung, die von innen kommt, heißt, dass es eine Kraft ist, die für immer und ewig zu mir gehört. Wo auch immer ich hingehe, was auch immer ich tue: diese Stärke gehört zu meinem eigenen inneren Wesenskern.

Lassen Sie uns für einige Minuten mit diesem Konzept experimentieren, damit Sie erfahren können, wie Sie damit zurecht kommen.

Sitzen Sie ruhig und entspannen Sie den Körper. Die Füße stehen vorzugsweise beide auf dem Boden und Ihre Hände sind locker gefaltet. Lassen Sie Ihren Atem ganz natürlich langsamer werden. Die Augen können offen bleiben (Genau genommen ist dies sogar besser, damit jenes Gewahr sein zu einem natürlichen Bewusstseinszustand für Sie werden kann).

Ich wende meine Konzentration nach innen und beobachte, was in meiner inneren Welt geschieht.

Ich sehe viele Gedanken über den Bildschirm meines Geistes flimmern und wähle bewusst aus, welche Gedanken ich haben möchte.

Ich wähle den Gedanken des Friedens

Ich visualisiere einen Punkt aus Licht und in diesem Bewusstsein des Friedens weiß ich, dass ich genau dies bin.

Ich bin ein Wesen aus Licht.

Ich bin ein friedvolles Wesen.

Meine Gedanken verlangsamen sich und ich genieße die Schönheit des Friedens in mir, während sich meine innere Welt mit Frieden anfüllt.

Ich bin auch erfüllt von Licht.

Ich kann wahrnehmen, wie die Wolken der Verwirrung zurückweichen und während dieses Licht immer heller wird kann ich spüren, wie meine eigene innere Kraft anwächst.

Mein Wesen besteht aus Licht, Kraft und Frieden.

Indem ich mich selbst vergessen habe, habe ich diese ursprünglichen und natürlichen Qualitäten vergessen, die zu mir gehören. Jetzt, wo ich weiß, wer ich bin, gehören diese Eigenschaften ganz natürlich wieder zu mir und in diesem Bewusstsein verbreite ich Licht, Frieden und Kraft.

Nun lasse ich meine Gedanken wieder zu dem Körper zurückkehren, den ich bewohne und zu den Situationen im Leben, in denen ich mich gerade befinde. Doch ich komme zurück mit einer Sichtweise, die durch eine vollkommen andere Einstellung verwandelt wurde.

In dieses Bewusstsein von mir als Seele, als Meister dieses körperlichen Instruments, zurückzukehren, macht mir deutlich klar, was ich durch meine Augen, meine Lippen, meine Handlungen zu vermitteln habe. Ich kenne die Richtung, in welche ich mich bewegen sollte. Meine Sichtweise von anderen hat sich ebenfalls verwandelt. Ich stecke sie nicht mehr in Schubladen. Ich bin in der Lage, sie als ferne Wesen zu sehen, als Seelen. Ich fahre damit fort, die Dinge zu tun, die ich tun muss; doch nachdem ich nun auch diese ursprüngliche ewige Welt erschaffen habe, sind meine Gedanken klar. Meine Interaktionen mit anderen sind von Verständnis und Mitgefühl geprägt, meine Handlungen sind kraftvoll, so dass sie zu den richtigen Rückschlüssen führen und in meinem Leben sowie dem Leben der anderen um mich herum, zeigen sich positive Ergebnisse.

Ich vergleiche dies mit dem Zustand, in dem ich mich zuvor befand: Ein Zustand des Chaos und innerlicher Verwirrung. Kein Wunder, dass auch die Welt um mich herum voller Chaos und Verwirrung war. Mich selbst zu führen bedeutet zu wissen, dass ich der Schöpfer meiner inneren Welt bin. Ich bin in der Lage, die Welt um mich herum zu gestalten. Mich selbst zu führen bedeutet, meine eigene Würde zu erkennen, meine Stufe des Selbstrespektes zu identifizieren, so dass ich selbständig auf eigenen Füßen stehen kann. Wir umgeben uns mit so vielen verschiedenen Stützen und sind nicht in der Lage, ohne diese zurecht zu kommen. Doch jetzt, wo ich weiß, wer ich bin, bestimme ich meine Selbstachtung und sobald ich mich selbst achte, achte ich natürlich auch jene, die mich umgeben. In einem Zustand des Selbstrespektes erstreckt sich dieser Respekt auch auf andere. Mich selbst zu führen bedeutet, dass ich in einem stabilen Zustand vorwärts gehe und dadurch Gelassenheit in das Chaos um mich herum bringen kann. Mit dem Frieden, den ich nun in mir habe, kann ich eine kleine Oase des Friedens um mich herum erschaffen. Da ich das Licht in mir habe, können Illusion und Dunkelheit mir nicht länger etwas anhaben. Die Kraft, die ich nun besitze, zeigt mir, dass ich wahrhaft frei sein kann.

Om shanti. Om bedeutet „Ich bin“, shanti bedeutet „Frieden“. Zu diesem Bewusstsein kann ich in jedem Moment zurückkehren und wieder Meister über mich selbst werden.

Schwester Jayanti ist Leiterin der Brahma Kumaris in London. Dieser Artikel, der erstmals von BK Publications (www.bkpublications.com) im Retreat Magazin Nr. 10 veröffentlicht wurde, ist ein Auszug aus ihrer Einführung in eine Reihe von Hörtexten mit dem Namen „Meditation für viel beschäftigte Menschen“.